Licht
weder
gegründet
noch
verwurzelt
wächst du
mit mir
durch
die Zeit.
Farbe ist
dir Raum.
Die Nacht
tauscht
blinde Räume
gegen
rauschende,
sich öffnende
Bäume,
aus Schatten
gleiten
Träume von
aufsteigenden
Dohlen,
schwärmen ins
Wolkende,
lärmen ins
dämmernde, sich
ausweitende
Erwachen
der Stadt.
Wildwuchs
färbt die Hügel pointillistisch.
Derain war hier,
Matisse,
Monet.
Leuchtfeuererzählungen.
Doch Schiffe laufen nie denselben Hafen an,
auch Inselstädte drehen sich mit der Zeit.
Irgendwann sind die Brückenpfeiler saniert,
die Brunnen gereinigt und gefüllt,
Dohlen erschließen sich emsig ihre Nisthöhlen.
Die Koffer werden zu Sommerhäusern voller Wörter.
Dicht an dicht
baumeln sie im Astwerk der alten Platane -
Geschichten wie die von der Place Du Change,
wo der Maler mit dem Hut am Nachmittag
das Sonnenlicht einfängt,
es mit neuen Nachrichten verwebt,
vom Kind,
vom Lachen,
von Aprikosensüße und Lavendelduft.
Davon dass ich meinem Pferd eine Hütte baue,
genau hier am See,
unterm Radar,
über mir der Milan im Aufwind.
Tauland
Sonnenhände pflügen,
entklüften.
Eisspaltenkonturen
brechen,
mäandern ins Tal,
bewässern schroffen Fels.
Fahles
wird übermalt,
Fallendes gefiltert,
Umschifftes markiert.
Sprechend
werden Akzente
in unbekanntes Terrain
gesetzt, Texturen
beständig
gerückt, Lücken gefüllt.
Fließschriften
driften
bis Hoffnung spürbar
das Geschundene überragt,
hüfthoch
sich festigt,
offene Wunden sich
wandeln,
Felder weitläufig sind,
vom Licht
befreite Spuren
sich zur Richtung fügen.
Wozu
Besen gut sind,
wenn nicht
in den Raum die
Ruhe einzukehren.
Fülle
Schimmernd sinkt das Licht in
ferne Tiefen, verliert sich mehr
und mehr im Scheinbaren,
sickert ein in von mächtigen Leibern
konturierte Schattenräume.
Feine Milchstaubpunkte glimmen nach,
fremde Laute stimmen an, rufen.
Gesänge dehnen sich aus,
schreiben Bestehendes fort,
Urzeitchiffren überlagern sich
in kreisförmig treibenden Botschaften.
Gerade so nah ist mir der Wal,
dass ich ihn deutlich sehen kann,
ihn wahrnehme, wie er abrupt
die Wellenlinie durchstößt,
kraftvoll emporsteigt, bläst, glänzend
an der Oberfläche entlanggleitet,
seine Fülle den Fluten entgegenwirft,
sie zerwühlt, aufschlägt,
im Sprühnebel der Gischt versinkt,
durchs tanzende Blau fallend
meinem Blick entschwindet, taucht.
Stärke
ist gelegentlich
der bloße
Eigensinn
eines Nochnicht.
Enthaust
Antworten
finde ich nicht
im Gestern.
Dort liegen nur
Spiegelbilder
begraben.
Unbeantwortete,
ins Unlesbare
verkehrte
Schneckenhäuser.
Geleert.
Gesichtslos.
Unbewohnt.
Beizeiten
Maß nehmen, erinnern,
sich unvermutet anrühren lassen,
dabei das
passende Paar Schuhe,
am Ende die Hutschnur finden.
Beginnen,
die Intervalle stetig verkürzen.
Aus steilen Klippen
stürzt der Sommer in Schwalben,
verdreht mir den Kopf.
Derweil
wuchern in Vorgärten
Lichter in Ketten, blinkt rhythmisch
Elektronisches
an Geländern, Balkonen.
Blitze, Lichtgewitter in Fenstern,
wer will dort wohnen?
Vorfreude
zielt auf Langzeitbelichtung
und am Ende das Wort.
Rätsel
Ich erwache am Morgen, das Meer gleicht einem Spiegel,
eine einzelne Rose treibt mir entgegen. Blüht.
Die Nacht hat das Siegel gebrochen, eigenes Feuer entfacht.
Nebel haben sich verzogen. Ein Bogen aus Farben
spannt das Dach über einst wogende Zeilen. Bin geflogen.
Habe das Rätsel über die Breiten getragen, Wörter
zu Längen gemacht, das Herz nach Süden, nach Hause gebracht.
Wohin
wenn zeitgleich
Wurzeln
wie Flügel sich
im Sonnenbett spreizen,
der Nachtwind
Sturzbäche
aus seidenen Zöpfen
löst,
wenn Wetter rauschend
durchs Zwielicht
rollen, reiten
auf tobenden Wogen,
der Bug
gleißende Schneisen in
gischtweiße Laken
stößt,
wenn am Scheitelpunkt
lodernd
die Erde bricht,
das Herz in der Sprache
des Pferdes spricht,
davon singt,
woher es gekommen,
wohin
es geflohen wäre,
hätte es nicht einmal
nur fliegen wollen.
Schreibmut
Die Uhrenfischer holen bangend
ihre Netze ein, späte Tage atmen
lange Schatten, Vorahnung graut.
Der Fang der Silberfische bleicht
im Vorüberziehn das letzte Haar,
macht Finger klamm und kippt
das Jahr in Wellen voller Trübsal
über noch leere Stundeneimer aus,
deckt meinen Tisch mit Treibgut.
Der Dichter irrt, woher, wohin?
Blassäugig zählt er seine Gläser,
die Zeiger stehen kurz vor zwölf.
Geschlossen ist die Bar! Ich halte
mich an jenen stolzen Segler, dem
bei Nordostwind Knospen treiben.
Flügel blühen nur den Reisenden,
der Himmel spannt den Möwen
lichte Schirme, hab noch Zeit gut.
Im Silbenhaus
wohne ich
ohne Dach ohne Wand,
gehe ein und aus
mit Wörtern
bekleidet, aneinander
gereihten Silben.
Mein Raum ist der See,
wo vom Licht
bedacht, der Atem
der silbernen Reiher
wandelnd
durch meine Türen geht.
Brache
zwischen den Polen
Aufgespanntes
umstreift die Hügel.
Gräsernes Treibenlassen.
Im Wind Verwaistes
windet sich in Wegen
entlang der Mole,
den Blicken kreisender
Möwen unterworfen.
Strandeinwärts grasen
geflügelte Pferde.
Zeitreisende im Salzlicht.
Jäh
zerpflückt eine Bö die Rauchfahne,
verwischt beiläufig Gutestubespuren,
wirft die Krähen im Anflug zurück.
Unbedeutung flutet den Nachmittag,
dehnt sich aus, häuft Schweigen an.
Im Morast auf den Fluren glitzert
das Spätlicht. Novemberfarbkontraste.
Fehlstellen
bleiben bestehen. Gefühlt liege ich, werde wach
im Aufwachraum, wach mit dem Nach - wie - vor - Wissen,
dass wegen unbekannter Variablen, nicht zu Ende geführter
Gespräche, bereits verzeichneter Begegnungen, des
inoffiziell gelesenen Begehrens nach Austausch, Regen fällt.
Andauernd fällt Regen, als wollte er die Kanten meines Lebens
glatt schleifen, das Glas mit deinem Lippenabdruck
ausspülen, wiederholt mir den Baum fluten, wo die Blicke
ohnmächtig ins Vage hineinlauschen, sich nur kurzzeitig treffen,
ungefragt Wörter verrücken und auf weiteren Ebenen
Erfahrungen anpflanzen, die im Schnellverfahren Wurzeln
schlagen - ein Sehnen das besteht, während ich hier liege, wach
im Aufwachraum. Obwohl die Ärzte mir den Teil des
Herzens, der vermissen will, vorsorglich operativ entfernt,
herausgeschnitten haben, bist du noch da, bist Phantomschmerz.
Weird
Draußen werden die Schriften nicht gestellt,
die Halme im Feld sind bereits gemäht.
Nebel überstülpen dem Ort eine Taucherglocke.
Nasse Flocken glitschen hektisch ans Glas.
Der Nachbar bestellt Fisch bei Bo Frost,
Lyrik spricht dort nur der Hahn im Stimmbruch.
Drinnen galoppiert das Ostpferd durchs Gras.
Zeit
du Diebin,
Gönnerin,
nimmst weg,
beschenkst.
Was bleibt
von Blicken
ohne Augen,
vom Dunkel
ohne Nacht,
wohin fließt
das Licht,
wer flieht
vor wem -
du oder ich?
Fließend
bewahrt der Regen
das Haltlose.
Wen
umarmen die
ohne Arme,
deren Hoffnung
ins Leere fällt,
deren Schreie
wie Klammern
sich um offene
Wunden legen,
zu schließen,
wo Hände Halt
nur träumen.
Unerwartet
Zart
das Gefieder.
Staunen
ruht bewegt,
bebt
auf der Hand.
Verletzliche
Notiz
aus Blüten,
aus Staub.
Fein
in lichtes Gelb
gebundenes,
transparentes
Gesicht
im Thymian.
Kinderschuhe
Pflücke das Grünspechtlachen
vom Stamm der Kastanie.
Sonnenblätter am Steilhang.
Die Steigeisen werden
mit Hermes verschickt. Gelb
ist das Zelt, wo das Kind
mit den Kätzchen spielt.
In den Schuhen blüht das Glück.
Zurück an Land
ist jeder Schritt
wie im Rausch.
Wankend erreichen wir
den Tisch
im Restaurant, blicken
auf´s Meer,
verschieben die Stühle,
zäumen ab.
Wie früher nach
langen Ausritten, wenn
die Pferde
im duftenden Stall
ihre Sättel
abwerfen, fressen wollen.
Lefkada
Festsitzen am Morgen.
Sturmwellen haben das Boot
über Nacht in den Sand
gesetzt, sind unfreiwillig
Gegründete. Freischaukeln,
Teamwork, ans Ruder, Anker
raus, Fender rein. Unterwegs
blauen Delfinen auf den
Straßen beim Tauchen zusehen.
Am Abend dann Ithaka.
In der Bucht unterm Vollmond
Nudeln essen, unauffindbar
sein. In Zeiten ohne Handy
Lichter am Horizont, Sterne
sehen. Das Navi und die
Seekarten unter Deck, direkt
am Herd neben den Töpfen.
Am Bug das leise Plätschern.
(Ionisches Meer)
Mit der Straße
auf dem Weg zur Küste
legen wir Winkel
an Serpentinen, geben der
Anziehung Richtung,
den Schiffen neue Namen.
Bleiben, bauen auf
in der Bucht zwischen
Pinien und Feigen, den
blauen Trauben vom
Vorabend, den Abdrücken
von nackten Füßen
im Staub. Auf den Terrassen
öffnen wir Seiten,
sitzen im rauen Gras
im Osten, zwischen Disteln
und Macchia. Warten
am Morgen, wissen warum.
Landgang
Bugumspült angelandet.
Muschel- und felsenbesetzt
der Ursprung, mein Land.
Wiedergefunden die Welt.
Verschenkte Zeit im Gepäck.
Spät, doch die Brücke hält.
Ein im Anfang wurzelndes,
heimischen Gewässern sanft
entbundenes Glück - zurück.
Acht
Samen pflanzt der Wind.
Woran die Welt
sich reibt, gedeiht den
Dichtenden zur Kunst.
Noch ganz dicht
fragt mich der Einbeinige,
das Herz in schwere Kissen eingenäht,
vor lauter Angst zu fallen,
er hat nicht einmal den Halt einer Rose.
Im Gedenken an Hilde Domin und ihr Gedicht "Nur eine Rose als Stütze"
aus: Hilde Domin, Sämtliche Gedichte, S.Fischer Verlag
Weiterfahren
wächst aus der klaren Einsicht,
dass es keinen Sinn macht,
ohne einen Scheibenwischer
weiter zu fahren, weil das,
was jetzt klar ist, sonst keinen
Sinn macht, wenn es beim
Weiterfahren wieder verwischt.
Auf Umwegen
abkommen vom Weg,
den Fokus
verlieren, abbiegen
in die Ecke, wo
der Blinde
die Hand aufhält.
Lichtabgewandt
den eigenen Raum abschreiten,
dorthin gehen,
wo alle Ecken blind werden,
wo Fremdes
die Stille durchweht und
die Farbskala
am eigenen Scheitern zerbricht,
dort geht es weiter.
Erinnern
ist mitunter
Antworten suchen
im wogenden Scherbenfeld,
knöcheltief
waten im Gesternmeer,
mit zerschundenen Füßen
Schwimmzüge
denken, untertauchen,
nichts mehr sagen können.
Gegnerin Zeit
auf der Bahn nebenan
hat mich längst überholt.
Durchlässig
der See,
doch Sonne und Mond
sehen dort nur ihr eigenes Licht,
allein
das Herz sieht
am Grunde Rosen wachsen.
Nachtangst
Wie eine Fackel
brennen wollte er,
sich anzünden
vor unserem Haus.
Vielleicht habe ich
deshalb einen
Feuerwehrmann
nach ihm geliebt.
Löschen konnte ich
mein Herz nicht,
nur die Sehnsucht
löschte ich aus?
für W.
Salztier
Schau ich nach dir, erblinde
ich, und alles Leben fällt
nach Innen. Zerwühlt,
zwischen Zerreißen und Verbinden.
Aus deinen Augen, deinem
Atem, deinem Laut führt keine
Tür für mich hinaus,
die Hundespuren überdauern Zeiten,
sind tiefer als nur ein Erinnern.
Zum Angedenken falte ich
dir meine weiten,
hellen Sommerwiesen, Farben auf.
Und flüstert dennoch uns
der frühe Schmerz aus alten,
zweigeteilten Leiden zu,
leg ich die Hände dir ans Fell,
die Seele in dein Ohr,
halte dein nahendes Verschwinden
fest im Wort. Bis du
an blauer Schwelle leckst, flüchtig
ein freies Lächeln schreibst
in das Gesicht. Ein nasser Nasenkuss
aus Salz und süßem
Licht, Mantel für uns beide.
Kraniche
schallnah
nebelverortet
Klangflocken wirbeln
fallen
von oben
aus dem Geburtshaus
von Regen
vom Wind
der Herbst
liegt in Wehen
schreit
während Vögel
durch Wolken gleiten
an mir
vorbei
an allen vorbei
unbeirrt Reisende
von Nord nach Süd
unterwegs
auf geheimen
Bahnen
Vogelflugweisheiten
ohne Spur
ahnend
der Länge nach
aufgereiht
am Himmel
eingewebt
in den Meridian
bleibt
das Fernweh
sobald
der Gesang
vorhersehbar
verebbt
schwindet
vogelgleich
südsommerbelichtet
verdichtet
überwintert