Geborgen

aufgehoben 
bin ich,
doch lange
war ich 
verloren, 
im Leerraum
zwischen 
den Wörtern
verborgen.

Das Wort

formt die Geschichte und trägt sie weiter. Ein aus Fragmenten zusammengesetztes inneres Bild entsteht vorerst als ein Konzept, das sich jedoch fordernd dem Licht entgegenstreckt, sich entfalten will. 

Die eigene Geschichte oszilliert im Spannungsfeld von drängender Sehnsucht nach Freiheit und gleichzeitigem Wunsch nach Zugehörigkeit. Der verdichtete Text gerät zur Reflexionsfläche. 
Die Schreibende >liest sich selbst<, einschließlich der Leerstellen, Gedanken und Gefühle, die erst im kreativen Prozess erfahrbar und bewusst nachvollzogen werden, insofern sich der Autorin das Werk sinnhaft erschließt. 
Hin und wieder münden expressionistische, rauschhafte Episoden in nüchtern - analytische oder kammerspielartige Passagen. Nicht selten offenbaren sowohl das ursprüngliche, wilde Ich als auch das traumagebundene, erstarrte kindliche Ich eine glasklare und zugleich schonungslos schmerzhafte Erkenntnis.
Idealerweise wird das lyrische Ich auf seiner Reise getragen von der konstanten Vision einer inhärenten Balance.

Durch Wiederermächtigung der Fühl- und Schreibkraft gelingt es der Dichtenden mit fortlaufendem Schritt- und Schriftmaß sich >in Zeilen< zu bewegen, den Weg zu bahnen, die eigene Entwicklung entschlossen voranzutreiben und das lyrische Ich - trotz Widerstrebungen - in seiner Ganzheit in die heilsame Umarmung des visionären Selbst zu geleiten. 

Am Ende des Zyklus steht das Wort im >Licht<; mit ihm ist das lyrische Ich aus der partiellen Umnachtung erwacht, ein neuer Tag hat bereits begonnen.

Mit jedem Gedicht vergewissert sich die Lyrikerin ihres Grundes - entgegen aller Ängste, Unsicherheiten und Zweifel. Die anfänglich empfundene Verlorenheit weicht allmählich einer im Schreibprozess gewonnenen Sicherheit, einer Freiheit, die aus der zutiefst sinnhaften Aneinanderreihung von Wörtern und aus zuvor durchschrittenen Erfahrungsfeldern >geborgen< und in die literarische Schöpfung integriert wird.

Petra Booms 2026

Wovon

sprechen,
 die in der Stille
das Ohr
in den Wind stellen,
 Schritte gehen.
Feinstaubflüstern,
 von Füßen ins
 Verschweben gelöste
Zeit, zerlegt
in Binnenlandschaften.
 Weit die Pupille.
Mittig am Fluchtpunkt
 schwellen die
 Wörter, Schwalbenregen,
Flüsse.



30.05.2026

Das Land